Geschichte

Trakehner-Wurzeln in der Landespferdezucht

Im Jahre 2007 wurde die Trakehner Rasse 275 Jahre alt. Damit ist sie die älteste und längst auch international als Ursprungszucht anerkannte Reitpferderasse Deutschlands. Die Trakehner Zuchtgeschichte lässt sich lückenlos bis ins Jahr 1732 zurückverfolgen.

Bis heute werden die Trakehner als einzige Reitpferderasse nach den Prinzipien der Reinzucht, basierend auf der in Ostpreußen entstandenen Population des Warmblutpferdes Trakehner Abstammung mit hohen genetischen Anteilen des englischen und arabischen Vollblutes, des Shagya- und des Anglo-Arabers, nach den Prinzipien der Reinzucht und unter Berücksichtigung des Zuchtziels gezüchtet.

Gezüchtet wird ein gesundes, im Trakehner Typ stehendes, großrahmiges und korrektes, in seinen Formen harmonisches, dabei rittiges und vielseitig veranlagtes Reit- und Sportpferd mit schwungvollen, raumgreifenden elastischen Bewegungen. Guter Charakter, ausgeglichenes Temperament, Intelligenz, Leistungsbereitschaft, sowie Ausdauer und Härte in der Leistung sollen besonders hervorstechende Eigenschaften der inneren Veranlagung sein

Eine detaillierte Erläuterung des Zuchtprogrammes ist unter www.trakehner-verband.de einzusehen.

Anders als die vor allem regional tätigen Warmblutzuchtverbände in Deutschland, betreut der Trakehner Verband als Bundeszucht seine Züchter in der gesamten Bundesrepublik. Insgesamt ist das Zuchtgebiet in zehn Zuchtbezirke unterteilt.

Zum Zuchtbezirk Rheinland gehören auch die Nachbarländer Niederlande und Belgien, die jeweils einen Vertreter im Delegiertenkreis stellen.

Im Jahr 2010 zählt der Zuchtbezirk Rheinland rund 400 registrierte Zuchtstuten, unter ihnen einige herausragenden Zuchteliten, bei über 300 Züchtern und ist somit der zweitgrößte Zuchtbezirk im Bundesgebiet.

Viele Hengste sind auf Stationen im Rheinland verzeichnet – große Gestüte repräsentieren die Trakehnerzucht ebenso wie viele kleinere familiärere Zuchten.

Die Produktion von Pferden für die Kavallerie war Hauptaufgabe der Pferdezucht in Ostpreußen. Englisches und arabisches Blut schuf auf Basis der Schweiken eine Rasse, die hart, ausdauernd und genügsam war. Ein untadeliger Charakter war oberste Prämisse, Pferde mit bissigem oder nervösen Verhalten wurden sofort aussortiert. Die Härte und Leistungsbereitschaft stellte sich nach dem Ersten Weltkrieg als wichtiger Vorteil für die aufstrebende Sportreiterei heraus. Anlässlich der Olympischen Spiele in Berlin 1936 wurden sechs Gold- und sieben Silbermedaillen von Trakehnern gewonnen.

Als im Oktober 1944 die Weisung erteilt wurde, Trakehnen zu räumen, waren bei der ostpreußischen Stutbuchgesellschaft 15.000 Mitglieder registriert. 750 Hengste waren für die Trakehner Zucht anerkannt und die Zahl der Zuchtstuten betrug 14.000. Bis Januar 1945 verließen  Menschen und Pferde ihre Heimat. Tausend Kilometer gen Westen, ein legendärer und verlustreicher Treck für Mensch und Tier. Von fast 30.000 Pferden konnten nur 1.500 Tiere gerettet werden, aus dem eigentlichen Hauptgestüt Trakehnen gar nur 27 Stuten!

Nach 1945 hat Dr. Fritz Schilke, in Königsberg Geschäftsführer der ostpreußischen Stutbuchgesellschaft, zusammen mit dem Vorsitzenden der Organisation, Siegfried Freiherr v. Schroetter, dafür gesorgt, dass die Zuchtorganisation Fortbestand hatte. Hengste waren in Landgestüten aufgenommen worden, Stuten waren in der Landwirtschaft des am Boden liegenden Deutschlands wichtige Helfer beim Neuanfang. Am 23. Oktober 1947 konstituierte sich in Hamburg der “Verband der Züchter und Freunde des Warmblutpferdes Trakehner Abstammung e.V.”, kurz “Trakehner Verband”. 1962 fand der erste Trakehner Hengstmarkt in Neumünster statt.

Immer schon hat der Trakehner auf Grund seiner frühen Ausrichtung für Ausdauer- (Militär-) und später Sportzwecke den Landespferdezuchten wichtige Impulse geben können. Als echte Alternative und sinnvolle Ergänzung zum Vollblut halfen Trakehner Hengste nach dem Krieg, Reitpferdepoints in den Landespferdezuchten zu verankern.

In Hannover war es Abglanz, der über die Abhang-Brüder, den Sportpferdemacher Archimedes, vor allem aber über seinen Sohn Absatz den Pferden ein nie da gewesenes Flair vererbte. Über Akzent II/Alabaster und Argentan/Argentinus ist diese Linie heute nach wie vor aktuell. Die heute blühende, erst Ende der Neunzigerjahre wiederbelebte hannoversche S-Linie, mit dem Springcrack Stakkato als Aushängeschild, basiert über Sender auf dem Trakehner Dampfroß-Sohn Semper idem. Caprimond, Latimer und Hohenstein haben in neuerer Zeit größten Einfluss, ebenfalls der Höremer Connery, der mit seinem Sohn Charlie Weld Hannover den Titelgewinn auf der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde 2009 bescherte.

Lateran machte sich in den Sechzigerjahren in Hannover einen hervorragenden Namen. Neben gekörten Söhnen stellte er der hannoverschen Zucht viele gute Töchter, die sich heute in Pedigrees von Hengsten wie Rusty, For Feeling oder Wie Weltmeyer wiederfinden.

Im westfälischen Landgestüt Warendorf wirkten u.a. Cyklon und Abschaum, der über Aar eine in den Siezigerjahren populäre Hengstlinie gründen konnte. Auch Julmond stand in Warendorf, wurde aber erst in Baden-Württemberg zu einem Begründer der modernen Reitpferdezucht. Auch andere Zuchten wie die Zweibrücker oder die Hessen basierten auf den Trakehnern.

In den benachbarten Niederlanden wirkte beispielsweise Magneet (ex. Markstein) und hinterließ sowohl für Zucht als auch für Sport wertvolle Nachkommen. Ebenso Doruto, bestens bekannt als Vater von Hinnemanns Ideaal, und hochaktuell Gribaldi, als Vater von Totilas – dem Pferd vom anderen Stern als Europameister und Rekordhalter unter Edward Gal in Grand Prix und Grand Prix Kür derzeit in aller Munde.

Im Rheinland entwickelte sich nach jahrzehntelanger Ausrichtung auf die Kaltblutzucht die Warmblutzucht spät und zögerlich in den späten Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts. In dieser Aufbauzeit bediente man sich gerne aus der Zucht der besonders qualitätvollen Ostpreußen im Lande – Garamond, Patron, Hartung sowie vor allem Abendregen und Bernstein waren einige von ihnen.

Garamond war der erste Landbeschäler auf dem Rittergut Muthagen, einer Deckstelle des Landgestüts Warendorf. Mit der hannoverschen Stute Glocke lieferte er den gekörten Gardist. Über dessen Vollschwestern Gemse und Gode wurde er Urgroßvater der Hengste Tramino sowie der beiden Vollbrüder Florestan I und II.

Aus einer Anpaarung von Hartung an die Stute Eris fiel Heureka, die über ihre Tochter StPrSt Romana Großmutter des Hengstes Frederiko v. Furioso II und des Reservesiegerhengstes Paradiso v. Pilot wurde.

Patron stellte mit Palermo und Pasternak zwei gekörte Söhne, seine Tochter Parodie ist Großmutter dreier gekörter Söhne – Le Grand Charmeur, Le Petit Charmeur und Charming. Aus dem Stamm seiner Tochter Patricia gingen Demetrios, Richfield und Governeur hervor.

Der rheinische HLP-Sieger Rembrandt war ein Nachkomme des Flaneur-Sohnes Rubin aus der Burda von Burnus AAH, Abendregen schenkte der Rheinischen Zucht vor allem gute Töchter und findet sich über diese in den Pedigrees der Hengste Palermo, Piros und Rheingold , Limes, Louis le Bon, Rheinprinz, Rubinus und Lamy – nur um einige zu nennen.

Trakehner Hengste bereichern nach wie vor die rheinische Zucht, setzen Akzente und bringen Sportgrößen. Rheinlands dressursportliches Aushängeschild, Ulla Salzgebers Herzrufs Erbe, führt – wie sein Name schon sagt – das Blut seines Trakehner Vaters Herzruf. Das Landgestüt stellte mit Donaugold 2008 den Reservesieger der Trakehner Körung auf, der Elitehengst Finley M vom Domselshof wirkt ebenso wie die Wiesenhofer Vererber und Elitehengste Münchhausen und Hibiskus stark in der rheinischen Zucht.  Der bis 2010 in Leverkusen stationierte Halbblüter und Münchhausen-Sohn Sambatänzer (nur noch TG) veredelte ebenso in der Landeszucht, wie es ab 2011 der in 2010 gekörte und prämierte Banderas von Le Rouge tun wird.

Quellen:
Trakehner Verband,
Rheinisches Pferdestammbuch
E.Schulte “Der Trakehner”
Schilke “Trakehner Pferde einst und jetzt”

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